Kriegsgefangenenlager

Die Kriegsgefangenenlager des Ersten Weltkriegs auf dem Territorium Sachsen-Anhalts

Tagung am 3. März 2018, Domgymnasium Merseburg

ausführliche Pressemeldung, Flyer, Pressespiegel (Stand: 27.02.2018)

Kriegsgefangenenlager Kleinwittenberg 1914, zeitgenössische Ansichtskarte

Zwischen 6,6 und 8 Millionen Soldaten gerieten während des Ersten Weltkriegs in Gefangenschaft. Allein auf dem Gebiet des Deutschen Reiches befanden sich 1918 2,4 Millionen Gefangene aus 13 Staaten, davon über 180.000 auf dem Territorium Sachsen-Anhalts. Zu ihrer Unterbringung waren 1914 in größter Eile zwölf Lager eingerichtet worden, drei für Offiziere (Halle, Magdeburg und Burg) und neun für Mannschaften und Zivilisten (Kleinwittenberg, Merseburg, Altengrabow, Zerbst, Quedlinburg, Gardelegen, Stendal, Salzwedel, Havelberg).

Neben der Abwesenheit der kämpfenden Männer und dem sich stetig verschärfenden Mangel waren die Lager ein wichtiger Teil der Kriegserfahrung jenseits der Front. Aufgeteilt auf unzählige Arbeitskommandos befanden sich Kriegsgefangene in nahezu jedem Winkel des Landes. Für die Wirtschaft bedeuteten sie eine unverzichtbare Ressource.

Einige Tausend von ihnen sind in Gefangenschaft verstorben. Ihre Kameraden errichteten ihnen Gedenksteine, die noch heute an das Geschehen vor 100 Jahren erinnern. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, ist über diese Lager, das Leben und das Schicksal der Gefangenen jedoch nur wenig bekannt.

Die interdisziplinär angelegte Tagung bietet erstmals einen breiten Überblick zu diesem Thema. Die Tagung gehört zum Rahmenprogramm der im Kulturhistorischen Museum Schloss Merseburg vom 17.02.-08.04.2018 gezeigten Wanderausstellung „Heimat im Krieg“ (Flyer).

Programm:

ab 9.00 Ankommen
 
9.30 Begrüßung, Grußworte
9.50 Einführung (John Palatini)
 
10.05 „… eine international buntgemischte Gesellschaft …“. Das Kriegsgefangenenlager Merseburg (1914-1921)
(Jan Stenzel)
10.30 Die historischen Quellen des Kriegsgefangenenlagers in Quedlinburg (PD Dr. Thomas Wozniak)
10.55 Archäologische Ausgrabungen im Kriegsgefangenenlager Quedlinburg (Volker Demuth)
 
11.20 Kaffeepause
 
11.35 Die Gründung einer Partisanen-Maschinengewehr-Abteilung im Kriegsgefangenenlager Salzwedel – 
Über den obskuren General der Westrussischen Befreiungsarmee Fürst Pawel Michailowitsch Bermondt-Awaloff in Salzwedel und im Baltikum (Jens Winter)
12.00 Private Ernest Carpenter. Ein persönliches Schicksal im Kriegsgefangenenlager Zerbst (Agnes-Almuth Griesbach)
12.25 Das Kriegsgefangenenlager Stendal (Simone Habendorf)
 
13.00 Mittagspause
 
14.00 Besichtigung der Ausstellung „Heimat im Krieg“
 
14.45 Das Kriegsgefangenenlager Havelberg und die Situation in der Stadt (Frank Ermer)
15.10 Das Kriegsgefangenenlager für Offiziere in Magdeburg (Rüdiger Stefanek)
15.35 Kunst im Lager. Zeichnungen, Drucke, Gemälde der Kriegsgefangenen (Christian Drobe)
 
16.00 Kaffeepause
 
16.15 „Le Petit Francais“ – eine Lagerzeitung aus dem Kriegsgefangenenlager für Offiziere in Halle (Bjoern Brockhoff)
16.40 „German Horror“. Die Fleckfieber-Epidemie im Kriegsgefangenenlager Kleinwittenberg 1915 und ihre Rezeption
im Ausland (Florian Thomas, John Palatini)
17.05 Zu den Gräbern der Kriegsgefangenen auf dem Gebiet des heutigen Landes Sachsen-Anhalt (Dr. Lutz Miehe)

 

Eingeladen zum Besuch der Tagung sind alle Bürgerinnen und Bürger. Eine Teilnahmegebühr wird nicht erhoben. Für den Besuch der Ausstellung sind 2€ zu entrichten. Die Veranstaltung ist eine anerkannte Fortbildung für Lehrerinnen und Lehrer (WT-Nr. 2018-063-07).

Ort: Aula des Domgymnasiums Merseburg, Domplatz 4 / 06217 Merseburg

Leitung und Kontakt: John Palatini / info@lhbsa.de / 0345 2928613

Ein Projekt des Landesheimatbundes Sachsen-Anhalt e.V. in Kooperation mit dem Museumsverband Sachsen-Anhalt e.V., der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt, dem Kulturhistorischen Museum Schloss Merseburg, dem Merseburger Altstadtverein e.V. und zahlreichen weiteren Vereinen. Gefördert durch das Land Sachsen-Anhalt.