Demokratie

Projekt: “Du bist Politik – Vereinsdialoge”

Vereine sind die Träger des öffentlichen Lebens. Gerade in den ländlichen Gebieten Sachsen-Anhalts leisten sie einen besonders wichtigen Beitrag für das gesellschaftliche Leben. Indem sie Menschen zusammenführen, vielfältige kulturelle Angebote vor Ort schaffen und die Kulturlandschaft pflegen, stiften sie Gemeinsinn und machen das Leben in den Dörfern so richtig lebenswert.

Durch die zurückliegende Verwaltungsgebietsreform aber auch durch den demografischen Wandel, der in den ländlichen Gebieten besonders deutlich wird, stehen die Vereine vor neuen Herausforderungen. Sie übernehmen zusätzliche Aufgaben und eine erhöhte Verantwortung ist spürbar. Damit die Vereine dies jedoch leisten können, braucht es nicht nur den Willen der Menschen vor Ort und ihre Bereitschaft zum Engagement, sondern es bedarf auch der Unterstützung und Wertschätzung durch die politischen VerantwortungsträgerInnen und durch eine breite regionale Öffentlichkeit.

Gleichwohl werden die Aktivitäten und Leistungen ländlicher Vereine außerhalb ihres unmittelbaren Wirkungskreises immer noch kaum wahrgenommen. Sie sind häufig weder im Bewusstsein der regionalen Öffentlichkeit präsent noch sind sich die politischen Repräsentanten der Landespolitik ihrer ausreichend bewusst. Gerade auch die Anliegen der Menschen, die sich tagtäglich engagieren und in gemeinsamer Initiative das Leben vor Ort bereichern, sind kaum bekannt und finden kaum Gehör.

Das möchte das Projekt Vereinsdialoge des Landesheimatbunds Sachsen-Anhalt e.V., das in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt durchgeführt wird, ändern!

Dazu hat der Landesheimatbund Vereinsdialoge zwischen in Vereinen engagierten Menschen und PolitikerInnen der Landesebene angestoßen. Diese Dialoge sollen einerseits den in den Vereinen engagierten Menschen ein Forum bieten, um ihre Ideen und Aktivitäten vorzustellen und auftretende Herausforderungen sowie generelle Bedingungen für bürgerschaftliches Engagement in Sachsen-Anhalt anzusprechen. Andererseits sollen sie über eine mediale Begleitung dazu beitragen, das vielfältige bürgerschaftliche Engagement der Vereine gerade des ländlichen Raums Sachsen-Anhalts sichtbarer zu machen.

Nicht zuletzt sollen die Vereinsdialoge die direkte Kommunikation zwischen den BürgerInnen und ihren politischen RepräsentantInnen beleben, das Eis brechen und eine fruchtbare Zusammenarbeit einleiten. Der Landesheimatbund will damit auch dazu beitragen, dass Politikverdrossenheit verringert wird, Vorurteile sich auflösen und die politische Kultur insgesamt erquickt wird.

Die Vereinsdialoge haben vor den Landtagswahlen im März 2016 mit den Wahlkreis-KandidatInnen der Parteien begonnen. Jetzt werden sie mit den gewählten Landtagsabgeordneten fortgeführt.

Der Landesheimatbund regt die Dialoge an, bereitet sie in Zusammenarbeit mit Vereinen vor, begleitet den Prozess vor den Dialogen, moderiert die Vereinsdialog-Veranstaltungen und dokumentiert die Ergebnisse.

Gleichzeitig werden die Vereine auch dazu angeleitet, diese Art Veranstaltungen in Zukunft auch in Eigenregie durchführen zu können. Am Ende des Projektzeitraums soll eine kleine Publikation entstehen, in der die gesammelten Erfahrungen an andere Vereine, Verbände und Engagierte im ländlichen Raum weitergegeben werden.

Ansprechpartner:
Tilo Garlipp
Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e.V.
Regionalbüro Magdeburg
Steubenallee 2
39104 Magdeburg
vereinsdialoge@lhbsa.de
Tel. 0391/54 10 764

 

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Im Folgenden wird aus den Vereinsdialogen des Landesheimatbundes Sachsen-Anhalt berichtet. Der nachstehende Text ist dem Sachsen-Anhalt Journal entnommen. Dort ist er in der Ausgabe 2/2016 erstmalig veröffentlicht worden.

Vereinsdialoge

Zwischenbericht zu einem Projekt des Landesheimatbundes
von Tilo Garlipp

Mit den „Vereinsdialogen“ das Ehrenamt stärken und Aufmerksamkeit schaffen
In der Ausgabe 4/2015 wurde das Projekt der „Vereinsdialoge“ vorgestellt. Mit diesem Projekt will der Landesheimatbund ehrenamtlich engagierte Menschen mit ihren regionalen politischen RepräsentantInnen bzw. AnsprechpartnerInnen zusammenbringen.

Ziel der Vereinsdialoge ist es, auf den großen und wertvollen Beitrag aufmerksam zu machen, den Vereine und Ehrenamtliche zur Gestaltung und Belebung des öffentlichen Lebens beitragen. Weiterhin soll den Vereinen dabei die Möglichkeit gegeben werden, an ihre politischen RepräsentantInnen jene Anliegen und Themen heranzutragen, die sie vor Ort beschäftigen. Im Laufe der Diskussion sollen Wege gefunden werden, wie Ideen verwirklicht oder mit aktuellen Herausforderungen umgegangen werden kann. Die Vereinsdialoge dienen also als ein Ort und ein Forum, um – trotz sicherlich oftmals sehr unterschiedlicher Ansichten – in konstruktiver und freundlicher Atmosphäre miteinander zu diskutieren und gemeinsam nach Perspektiven und Lösungen zu suchen. Die Vereinsdialoge sollen stetig wiederkehrende Veranstaltungen und keine Eintagsfliegen sein. Der Landesheimatbund will den Vereinen auf diese Weise neue Kontakte verschaffen, die langfristig halten und zur besseren Vernetzung beitragen sollen. Zudem werden die Vereine dazu motiviert und angeleitet, den Austausch mit politischen VertreterInnen in Zukunft auch selbst zu suchen, zu organisieren und zu halten.

Die Landeszentrale für politische Bildung als Finanzgeberin und Unterstützerin des Projekts will mit dieser Veranstaltungsform nicht zuletzt auch zur Belebung der politischen Kultur und zu einem engeren Kontakt und Austausch zwischen den BürgerInnen und ihren politischen RepräsentantInnen beitragen.

Insgesamt stehen die Vereinsdialoge unter dem Motto: Das ehrenamtliche Engagement vor Ort wertschätzen, stärken und unterstützen – um die Freude am Ehrenamt zu erhalten und zu fördern!

Organisation und Ablauf der „Vereinsdialoge“
Zunächst fanden sich elf Vereine (an sieben Orten), die interessiert und trotz recht kurzer Vorlauf- und Organisationszeit bereit waren, sich auf das „Experiment“ einzulassen. Denn, von vorneherein war klar: Es gibt bislang kaum Erfahrungen, auf die man in der Vorbereitung solcher Dialoge, an denen VertreterInnen unterschiedlicher Parteien und politischer Ebenen teilnehmen und bei denen über Themen geredet werden soll, die allein von den BürgerInnen vor Ort bestimmt werden, aufbauen könnte. Auch die Zielsetzung, gemeinsam Lösungen für lokale Herausforderungen zu diskutieren und zu finden, ist neu.

Die erste Runde der Vereinsdialoge fand direkt im Vorfeld der Landtagswahlen statt. Als GesprächspartnerInnen für die Vereine standen daher die lokalen Wahlkreis-KandidatInnen und die bisherigen Landtagsabgeordneten im Zentrum. Der Kreis ließ sich darüber hinaus um VertreterInnen der kommunalen Ebene, des Kreises und der Verwaltung erweitern.

Teilnehmende Vereine der ersten Runde der Vereinsdialoge:
Ah!Land e. V., Krumke
Brachwitzer Alpen e. V., Brachwitz
denkMal und Leben e. V., Havelberg
Heimat- und Geschichtsverein Brehna e. V., Brehna
Heimat- und Naturschutzverein
Hainrode e. V., Hainrode
Kulturförderverein Östliche Altmark e. V., Altenzaun
Kulturland Osterwieck e. V., Osterwieck
Künstlerstadt Kalbe e. V., Kalbe (Milde)
Schloss Ostrau e. V., Ostrau
Veltheim-Initiative e. V., Veltheim
Wische e. V., Rohrbeck

Damit die Dialoge möglichst erfolgreich laufen konnten und die TeilnehmerInnen motiviert sind weiterzumachen, wurde jede der sieben Dialogveranstaltungen im Vorfeld gründlich vorbereitet. Dazu gab es ein Treffen mit interessierten Vereinsmitgliedern und von diesen dazu eingeladenen Partnern. Es wurde der Ablauf einer Dialogveranstaltung vorgestellt, Organisatorisches geklärt und dann darüber gesprochen, welche Themen der Verein bzw. die Vereine auf dem Vereinsdialog ansprechen möchten. Hier standen also Fragen im Vordergrund, wie: Was beschäftigt uns im Ehrenamt, vor Ort oder generell? Was würden wir gern verändert sehen? Wie könnten wir das in Zusammenarbeit mit anderen erreichen?

Für jedes Thema formulierten die Beteiligten konkrete Wünsche und Erwartungen, die an die KandidatInnen adressiert waren. Thematisch wurden die Dialoge von Anfang an zweigeteilt: Im ersten Teil standen Themen, die einen relativ deutlichen Bezug zu den Aktivitäten des Vereins oder zu den Bedingungen für ehrenamtliches Engagement hatten, im Vordergrund; im zweiten Teil lag der Schwerpunkt eher auf örtlichen, regionalen oder aktuellen Themen.

Nachdem die Themen festgelegt waren, wurden sie den LandtagskandidatInnen übermittelt. Auf diese Weise war es später einfacher, auf konkrete Anliegen auch konkrete Aussagen und Vorschläge zu erhalten. Weitere Maßnahmen, die dazu dienen sollten, den Dialogen einen verbindlichen Charakter zu geben und konkrete Ergebnisse zu liefern, waren (u.a.): Möglichst viele Vereinsmitglieder wurden aufgerufen teilzunehmen (mehr Anwesende bedeutete dabei auch mehr Öffentlichkeit und Verbindlichkeit); PressevertreterInnen wurden eingeladen; die

Redezeit wurde beschränkt; ein Protokoll über die wichtigsten Aussagen und Abmachungen des Abends wurde geführt; eine Moderation sorgte dafür, dass Themen getrennt voneinander behandelt wurden und Aussagen möglichst konkret waren; es wurde darauf hingewiesen, dass bei Folgeveranstaltungen das jetzt Besprochene wieder aufgegriffen und nachverfolgt wird und es wurde dazu aufgerufen, den Austausch auch unabhängig von den Veranstaltungen fortzusetzen.

Themen, die den Vereinen und Ehrenamtlichen wichtig waren und häufig angesprochen wurden
Im ersten Teil des Abends, der sich mit den Themen, die einen Bezug zum Vereinsleben und zu Bedingungen für das Ehrenamt hatten, befasste, wurden von den Vereinen / Teilnehmenden häufig sehr ähnliche Probleme angesprochen. So stand auf beinahe jedem Dialog das Thema „Förderung von Vereinen“ oder generell „Fördermittel“ auf der Tagesordnung. In diesem Zusammenhang wurde u. a. über Projektförderung, die die aktuell gängige Förderungspraxis darstellt, diskutiert. Beispielsweise wurde darauf hingewiesen, dass der Eigenmittelanteil, der zur Fördermitteleinwerbung erforderlich ist, ein großes Hemmnis darstelle; oder dass in der Projektförderung die Nachhaltigkeit fehle, was sich daran zeige, dass nach dem Auslaufen der Förderung das Geld für den Betrieb / Unterhalt des Aufgebauten fehlt. Auch wurde bemängelt, dass die Fördermittellandschaft zu intransparent sei, Vereine könnten kaum überblicken, an welcher Stelle und wofür Fördermittel bereit stünden. Zudem wurde die komplizierte Antragstellung kritisiert, die ohne erheblichen Zeitaufwand durch Ehrenamtliche kaum zu leisten sei. Vereine erhielten dabei auch zu wenig Unterstützung durch Fachleute aus der Verwaltung. Weiterhin wurde oft beklagt, dass die Gemeinden die Vereine kaum unterstützen könnten. Vielmehr sei es sogar so, dass die Gemeinden aufgrund einer allzu klammen Haushaltslage über Ausgabenstreichungen im Bereich der freiwilligen Aufgaben und die Erhebung von Gebühren die Vereine in ihrem ehrenamtlichen Engagement eher behinderten. Deshalb wurde sehr häufig der Wunsch geäußert, dass die Gemeinden durch das Land finanziell stärker unterstützt würden, damit sie Vereine wiederum besser und mehr unterstützen könnten, anstatt sie mit finanziellen Auflagen zu gängeln. Vielerorts wurde auch auf den anfallenden Verwaltungsaufwand, beispielsweise in Form von Sozial-, Lohn- und Finanzabrechnungen, hingewiesen, der für Vereine und Ehrenamtliche eine erhebliche Belastung darstelle. Oftmals wünschte man sich zudem, dass zukünftige Landtagsabgeordnete häufiger den Kontakt zu den Vereinen und ehrenamtlich Aktiven suchen, z. B. indem sie Vereinsveranstaltungen besuchen, auf eigene Angebote und Veranstaltungen aufmerksam machen oder einfach den Austausch pflegen.

Die KandidatInnen zur Landtagswahl auf der anderen Seite zeigten sich glücklich darüber, dass sich die Menschen vor Ort an den Dialogen beteiligten und sich einbrachten – und waren sehr interessiert an deren Anliegen. Insbesondere bereits amtierende Landtagsabgeordnete betonten häufiger, dass sie diesen Austausch als sehr wertvoll empfänden – gerade, weil es für sie eine große Bereicherung für ihre Arbeit im Landtag sei. Es hieß oft, dass sie nicht immer alle Anliegen und Themen, die die Menschen vor Ort beschäftigen, von allein erkennen oder „erfühlen“ könnten, sondern dass sie darauf angewiesen seien, dass Leute auf sie zukämen und sie auf Themen aufmerksam machten.

Mehrfach wiesen die LandtagskandidatInnen darauf hin, dass es nicht für jedes Anliegen auch gleich „die“ Lösung gäbe, sondern eine Lösung gefunden werden müsse, die möglichst viele bereit seien mitzutragen. Das sei Merkmal einer Demokratie. Deshalb könne es auch mal länger dauern, was etwas Geduld – auch für andere – erfordere.

Häufig konnten die LandtagskandidatInnen gute Tipps geben oder realistische Perspektiven aufzeigen, wie sie sich eines konkreten Anliegens annehmen werden. So gab es z. B. den Hinweis auf die Fördermitteldatenbank des Landes Sachsen-Anhalt im Internet, auf der alle verfügbaren Fördertöpfe relativ schnell und einfach recherchiert werden können; weiter wurden Mittel und Wege aufgezeigt, wie es Vereinen möglich ist, den nötigen Eigenmittelanteil aufzubringen – dabei wurde auch direkte Unterstützung angeboten oder es wurden AnsprechpartnerInnen benannt, an die sich Vereine wenden können, wenn sie Hilfe bei der Akquise von Fördermitteln brauchen. Einzelne KandidatInnen sagten zu, dass sie sich auf Gemeindeebene dafür stark machen würden, dass Vereine nicht weiter durch Gebühren belastet werden; dass im Kreistag die Schaffung einer Ansprechstelle für Vereine in der Kreisverwaltung angeregt wird; dass sie, sollten sie in den Landtag gewählt werden, sich dafür einsetzen würden, den gesetzlichen Rahmen zu überarbeiten, der Einfluss darauf hat, welcher Verwaltungsaufwand für Vereine anfällt. An anderer Stelle sicherte man zu, dass die Gemeinden in der nächsten Wahlperiode mehr finanzielle Unterstützung durch das Land bekommen sollen.

Eins wurde bei alledem oftmals deutlich: Dass die KandidatInnen motiviert und engagiert waren, ein bestimmtes Anliegen mitzunehmen und zu bearbeiten. Allen Beteiligten, ob Vereinsmitglieder oder politische VertreterInnen, war zudem anzumerken, dass sie sich bewusst waren, gemeinsamen im gleichen Boot zu sitzen, auch wenn man sich nicht immer „grün“ war. Dennoch wollte man gemeinsam vorankommen und vor Ort etwas in Bewegung bringen.

Im allgemeineren, zweiten Teil des Abends wurden oft lokale Themen mit einem direkten Bezug zur Ortschaft, zur Gemeinde oder zur Region angesprochen. Hier ging es um Themen wie Schulstandorterhaltung, Abwasserentsorgung, öffentlicher Personennahverkehr, Breitbandausbau, regionale Tourismusförderung, die Auswirkungen des demografischen Wandels und um die Frage, wie damit umgegangen werden kann (z. B. Leerstand). Auch hier kam es zu sehr angeregten, ideenreichen und konstruktiven Diskussionen. Es war stets offensichtlich, dass alle Beteiligten eins wollten: die Ortschaft, Gemeinde, Region voranbringen. Nicht selten konnten gemeinsame Vorgehensweisen oder Kompromisse gefunden und Vereinbarungen über eine konkrete Zusammenarbeit getroffen werden. Manche Themen waren aber ganz einfach „zu groß“ für die Runde und die Möglichkeiten eines Abends, sodass sich nicht in jedem Fall eine Perspektive finden ließ. Auch das gehört dazu. Doch auch in diesen Fällen, war meist allen anzumerken, dass sie schon allein der Austausch und das Gespräch über Themen, die sie beschäftigen, zufriedener machte, dass sie die Diskussion wertschätzten und als eine Bereicherung, einen Fortschritt betrachteten.

Ziel ist es, bei den nächsten Vereinsdialogen die vielen Vereinbarungen und in Aussicht gestellten Handlungen wieder aufzugreifen, nachzuverfolgen, eine erste Bilanz zu ziehen und das Gespräch fortzusetzen.

Die erste Runde der Vereinsdialoge – Ein Erfolg?
Ja, die Vereinsdialoge waren schon in der ersten Runde ein voller Erfolg. Auch wenn es an der einen oder anderen Stelle noch besser hätte laufen können oder der eine oder die andere mehr erwartet hätte: Rückblickend ist es erstaunlich, wie positiv die erste Runde trotz mancher Unwägbarkeiten gelaufen ist. Zum Bespiel hätte die Wahlkampfzeit, mögliches Wahlkampfgetöse, eine hitzige, unkooperative Stimmung, pauschalisierende oder beschimpfende Wortbeiträge oder eine ermüdende Betonung von Allgemeinplätzen die Dialoge belasten können. Obwohl es kaum Erfahrungen mit diesem Format gab, sind die einzelnen Veranstaltungen sehr gut gelaufen und wurden auch von der großen Mehrzahl der TeilnehmerInnen positiv bewertet.

Die Vereinsdialoge der ersten Runde waren allesamt durch eine konstruktive, freundliche und offene Atmosphäre gekennzeichnet. Meinungsunterschiede haben nie dazu geführt, dass die Stimmung unfreundlich geworden wäre oder sich die Möglichkeit versperrt hätte, einen gemeinsamen Nenner zu finden.

Dafür gebührt allen Beteiligten großer Respekt. Ohne Geduld, ohne sich gegenseitig zuzuhören, ohne Toleranz gegenüber Menschen mit anderen Ansichten und ohne die Bereitschaft, auch mal Kompromisse einzugehen hätten die Vereinsdialoge nicht funktionieren können.

Häufig zeigte es sich, dass die Themenvielfalt und der Rede- und Austauschbedarf groß waren und die Zeit eher zu knapp. Das ist ein Zeichen dafür, dass das vom Landesheimatbund entwickelte Veranstaltungsformat für den Austausch, das Finden von gemeinsamen Zielen und zur Weichenstellung für zukünftige Zusammenarbeit sehr gut geeignet ist.

Es wird dabei auch in Zukunft nicht immer eine auf der Hand liegende Lösung geben, aber häufig wird mit einem Dialog ein Prozess angestoßen. Nur wer den Austausch und den Dialog sucht, Themen an Ort und Stelle anspricht und gemeinsam mit anderen diskutiert, nur der hat auch die realistische Chance darauf, etwas in Bewegung zu setzen und am Ende tatsächlich das gewünschte Ziel zu erreichen.

Ausblick
Zurzeit ist die zweite Runde der Vereinsdialoge in Vorbereitung. Die Veranstaltungen werden im August/September an zehn Orten und mit den in den Landtag gewählten Wahlkreis-Abgeordneten stattfinden. Bei den anstehenden Vorbereitungstreffen mit den Vereinen werden wir auf dem Erfolg der ersten Runde aufbauen.

Aus dem Sachsen-Anhalt-Journal, Ausgabe 4/2016:

Die Vereinsdialoge im Rückblick

Die Vereinsdialoge, die der Landesheimatbund in Zusammen­arbeit mit vielen Vereinen und unterstützt durch die Landes­zentrale für politische Bildung des Landes Sachsen-Anhalt über das vergangene Jahr durchgeführt hat, sind vorerst vorüber.
Zeit, ein Resümee zu ziehen und auf die Erfahrungen und Erlebnisse aus über 30 Veranstaltungen zu blicken.

Was waren die Vereinsdialoge?
Die Vereinsdialoge wurden initiiert, um in Vereinen engagierte Menschen mit VertreterInnen aus Politik und Verwaltung zu vernetzen. Ziel war es, Aufmerksamkeit auf bürgerschaftliches Engagement im ländlichen Raum zu lenken und mit den Dialogen ein Forum zu schaffen, in dem die Anliegen, Ideen und Vorstellungen der Menschen vor Ort angesprochen und diskutiert werden können. Gleichzeitig sollten Vereine neue Kontakte erhalten – sowohl zu ihren regionalen politischen RepräsentantInnen und zu Verwaltungsstellen als auch zu anderen in der Region aktiven Vereinen. Die Vereinsdialoge schufen somit Gelegenheitsfenster, um fruchtbare Kooperationen zwischen Vereinen und neuen Partnern entstehen zu lassen.
Ein ausführlicher Bericht über die erste Hälfte der Vereinsdialoge ist im Sachsen-Anhalt-Journal 2/2016 (Juli 2016) nachzulesen.

Ein Anfang ist nicht schwer
Viele Menschen standen den Vereinsdialogen anfangs skeptisch gegenüber: „Landtagsabgeordnete? – Wer?“ „Oohr nee, Politiker…“, „Was soll das denn nützen? Das wird doch nur Wahlkampfgeschwätz.“, „Jaja, reden können die alle viel, aber nützen tut uns das nüscht.“, „Versprechen tun die immer alles, aber nach den Wahlen will keiner was gesagt haben und es lässt sich keiner mehr blicken.“ Das sind einige der Vorbehalte gegenüber Menschen, die politische Positionen, Mandate oder Ämter innehaben, die in manchen Vereinen zu hören waren.
Vereinsvorsitzende waren zwar meist recht schnell von der Idee der Vereinsdialoge angetan, doch gelang es ihnen manchmal nur bedingt oder mit Mühe, ihre Mitglieder von dem Format zu überzeugen.
Hatte sich ein Verein aber erst einmal auf die Vereinsdialoge eingelassen, war schnell die Feststellung zu vernehmen, dass alles gar nicht so schlimm sei. Klar, schwarze Schafe gebe es überall (so auch in den Vereinen), doch die meisten PolitikerInnen seien aus der Nähe betrachtet und wenn man sie erstmal kennengelernt habe, doch irgendwie ganz nett und umgänglich. So wurde dann doch schnell die sich bietende Gelegenheit ausgiebig genutzt, all jene Themen anzusprechen, die sowohl aus Vereins- wie auch aus Bürgersicht auf der Seele brennen: „Warum hat man das Gefühl, dass zur Verfügung stehende Fördergelder nicht entdeckt oder nicht beantragt werden sollen? Das ist ja der reinste Dschungel und die Antragstellung ist so kompliziert wie eine Steuererklärung. Geht das nicht einfacher? Wer hilft uns dabei?“, „Wenn wir unsere Grundschule hier im Dorf verlieren, können wir hier bald abschließen. Was sagen Sie dazu? Unterstützen Sie uns dabei, unsere Schule zu halten?“, „Wir wollen hier etwas aufbauen, das schön ist, einen Mehrwert für alle schafft und Menschen zum Hierbleiben animiert und herlockt. Doch wir wissen nicht, wo wir die Eigenmittel hernehmen sollen, um an Fördergelder zu kommen. Da muss sich doch etwas ändern lassen. Wie können Sie helfen?“, oder auch „Welche Vision haben Sie für unsere Region? Was machen Sie ganz konkret dafür, dass wir hier in fünf Jahren noch besser aufgestellt sind?“. All das sind Themen, die in Kalbe, Hainrode, Möser, Ostrau, Havelberg, Brehna, Osterwieck und Brachwitz angesprochen wurden. Sie stehen stellvertretend für Themen, die so oder in ähnlicher Weise Menschen in ganz Sachsen-Anhalt umtreiben.

Den Blick öffnen
Viele Vereine und Engagierte standen vor den Vereinsdialogen nur selten in Kontakt mit ihren politischen RepräsentantInnen. Überwiegend beschränkte sich eine ab und an stattfindende Zusammenarbeit auf die BürgermeisterInnen, die oft gar nicht als „PolitikerInnen“ wahrgenommen werden. Doch BürgermeisterInnen stoßen bei den Anliegen der Vereine schnell an ihre Zuständigkeits- und Ressourcengrenzen, nicht zuletzt weil die Kassen der Kommunen häufig leer sind. Nur die wenigsten Vereine finden dann den Weg zu höheren Ebenen. Kreistagsabgeordnete oder LandrätInnen werden beispielsweise häufig gar nicht als relevante politische Akteure wahrgenommen, obwohl der Landkreis in ländlichen Gebieten ein einflussreicher Akteur ist, der andere Möglichkeiten und auch Ressourcen zur Verfügung hat als eine Gemeinde. Doch auch ein Landkreis hat seine Grenzen. Über den Landkreisen steht dann das Land. Die auf dieser Ebene tätigen Landtagsabgeordneten werden oftmals zwar wahrgenommen, allerdings selten kontaktiert. Das ist eigentlich seltsam. Vielleicht liegt es daran, dass Landtagsabgeordnete in der Wahrnehmung Vieler, die Unterstützung, Ansprechpartner oder Expertise suchen, schon zu weit entrückt erscheinen.
Gerade Landtagsabgeordnete sollten jedoch oftmals die erste Adresse sein. Zwar sind sie nicht für alles zuständig (für vieles ist der Bund, der Kreis oder die Gemeinde zuständig), doch sind sie meistens mit den für eine Problemlösung richtigen Menschen bestens bekannt und besitzen wertvolles Fachwissen, von dem Vereine profitieren können. Sie können Unterstützung Suchende kompetent beraten oder Kontakte vermitteln. Sie können Hilfe organisieren und Informationen einholen oder, wenn es nötig sein sollte, gar einen Gesetzgebungsprozess anstoßen – je nachdem, was zur Lösung eines Anliegens behilflich ist. Landtagsabgeordnete werden in ihren Möglichkeiten wahrscheinlich genauso oft unterschätzt wie überschätzt. Sicher ist, dass sie lange nicht die „Laberer“ sind, für die sie gerne gehalten werden. Tatsächlich können engagierte Landtagsabgeordnete echte Macher und Macherinnen sein! Genau das, was Menschen mit Ideen und Projekten, die ihren Ort oder ihre Gegend beleben oder voran bringen wollen, brauchen.

Es stellen sich schnell erste Ergebnisse und Erfolge ein
Beispielsweise hat man in Havelberg die regionalen Landtags­abgeordneten gefragt, wo Unterstützung zu finden ist, wenn man geeignete Fördermittel für die nachhaltig zu renovierende und danach gemeinnützig zu nutzende Remise auf dem Vereinsgrundstück sucht? Und, wer dem Verein im zweiten Schritt bei der Antragsstellung hilft?
Die Antworten der Abgeordneten machten schnell klar: Es gibt viele kompetente Ansprechstellen, man kannte sie häufig nur nicht bzw. wusste nicht, dass es sie gibt. Angefangen bei der Gemeindeverwaltung, der Kreisverwaltung und der regionalen Wirtschaftsförderung, über die Landesebene mit dem Landesverwaltungsamt und der Investitionsbank des Landes, bis hin zu den regionalen LEADER-Verwaltungsstellen und natürlich dem Landesheimatbund. Vereinen stehen viele Beratungsmöglichkeiten offen. Die Landtagsabgeordneten boten an, konkrete Kontakte dorthin zu vermitteln, und auch, dass sich die Vereine (und Vereine der Region generell) mit konkreten Projekten und Gestaltungsideen jederzeit direkt an sie wenden könnten.
In Brehna hatten die Vereinsmitglieder die Problematik der Vernässung von Kellern und Gebäuden im Ort durch einen steigenden Grundwasserpegel thematisiert. Die Landtagsabgeordneten versprachen daraufhin, an dem Thema dranzubleiben und unter anderem eine Informationsveranstaltung auf den Weg zu bringen, auf der sich die BürgerInnen kompetent informieren und beraten lassen können. Diesem Versprechen sind die Abgeordneten auch nachgekommen. Die Veranstaltung konnte aufgrund von Terminengpässen auf Vereinsseite zwar noch nicht realisiert werden, soll jedoch bald stattfinden. Zudem wurden zwei weitere Veranstaltungen ins Auge gefasst. Zum einen soll es um die Landesfinanzierung des Kulturbereichs gehen. Dazu soll auch der Kulturstaatssekretär nach Brehna kommen. Zum anderen soll über den Finanzhaushalt der Regierungskoalition informiert und die Frage diskutiert werden, wie die im Koalitionsvertrag vereinbarten Ziele finanziert werden sollen.
In Ostrau hat man sich auf den Vereinsdialogen ebenso dem Kulturbereich gewidmet, jedoch mit einem stärkeren Fokus auf die Entwicklung der Region und die Entfaltung ihrer Potentiale für den Tourismus. Da dieses Thema auch auf dem ersten Vereinsdialog in Brachwitz auf der Agenda stand, taten sich die beiden Vereine für den zweiten Vereinsdialog zusammen, um dem Thema so noch mehr Nachdruck zu verleihen. Insbesondere stand die Entwicklung und Umsetzung eines regionalen Tourismuskonzepts im Mittelpunkt, das die kulturellen und touristischen Angebote des nördlichen Saalekreises integriert und bündelt, um somit das touristische Potential der Region nachhaltig zu entwickeln und zu entfalten. Dieses Anliegen der Vereine traf auf der Veranstaltung sowohl bei den Landtags- als auch bei den Kreistagsabgeordneten auf offene Ohren und großes Interesse. Noch vor Ort wurden nächste Schritte, die zur Umsetzung dieser Idee notwendig und zielführend sind, besprochen und vereinbart. So werden die Vereine, aufbauend auf den Ergebnissen dieser Vereinsdialoge und in Zusammenarbeit mit den Abgeordneten, weitere Treffen und Veranstaltungen ansetzen, auf welchen auch andere Akteure und Institutionen der Region vertreten sein werden, um damit die Entwicklung und Umsetzung des Tourismuskonzepts auf breite Füße zu stellen und voranzutreiben.

Dies sind nur drei Beispiele, die stellvertretend für viele andere zeigen, wie schnell und ohne allzu großen Aufwand sich konkrete Ergebnisse einstellen, wenn man als einzelner Verein oder zusammen mit anderen Vereinen ein konkretes Anliegen, eine Idee oder ein Ziel hat und dieses an die politischen RepräsentantInnen heranträgt. Gerade Landtagsabgeordnete haben sich in den Vereinsdialogen als geeignete und kompetente AnsprechpartnerInnen für Vereine erwiesen, da sie in gewisser Weise an der Schnittstelle zwischen kommunaler Ebene und Landespolitik und -verwaltung stehen.

Anfangen, dran bleiben, mitwirken: das Potential ist groß – doch nichts kommt von allein
Abgeordnete haben ein Eigeninteresse daran, für die Anliegen der BürgerInnen da zu sein, gerade in ihrem Wahlkreis. Die Vereinsdialoge haben gezeigt, dass die allermeisten Abgeordneten großes Interesse an den Themen, die an sie herangetragen werden, haben und sie häufig auch bereit sind, sich für diese Themen einzusetzen und an Fortschritten und Lösungen mitzuarbeiten.
Doch dazu braucht es auch den Willen und das Engagement der Vereinsmitglieder. Neben dem Initialwillen, ein Thema anzustoßen und Abgeordnete anzusprechen, braucht es gleichzeitig auch den Willen, an der Sache dran zu bleiben. Dazu gehört auch die Bereitschaft, selbst Verantwortung oder Aufgaben zu übernehmen.
Manche Vereine sind in den Vereinsdialogen an dem Glauben gescheitert, dass sich Ergebnisse, Verbesserungen oder Lösungen allein dadurch einstellen, dass sie die Abgeordneten einmalig darauf angesprochen haben und den Dialog suchten. Die Erwartung war, dass sich Abgeordnete des Anliegens annehmen und sich um alles, was mit der Lösung der Herausforderung verknüpft ist, kümmern. Doch das ist so nicht.
Viele Anliegen können nur in gemeinschaftlicher Arbeit bewältigt werden, beispielsweise die Identifikation geeigneter Fördermittelprogramme und die entsprechende Antragstellung. Abgeordnete und Verwaltung können den Vereinen diese Arbeit nicht abnehmen, sie jedoch in vielfacher Hinsicht unterstützen. Das Beispiel aus Ostrau zeigt gut, dass es fast immer eines gemeinschaftlichen Engagements bedarf, um das gewünschte Ziel erreichen zu können. In Osterwieck ist ein zu Ostrau ähnliches Anliegen und Ziel an diesem Punkt allerdings gescheitert. Die Vereinsmitglieder, die das Problem wahrnahmen und auf dem Vereinsdialog an die Abgeordneten herantrugen, waren im zweiten Schritt nicht ausreichend motiviert, sich an der Erarbeitung der Lösung zu beteiligen. Sie hatten eher die Erwartung, dass „die Politiker“ das machen müssten.
Diese Erwartungshaltung war in den Fällen, in denen die Vereinsdialoge an einem Ort nicht fortgeführt wurden, meist auch der Hintergrund für das Ausbleiben der zweiten Veranstaltung. Dies erklärt, warum Anfang des Jahres, in der „ersten Runde“ der Vereinsdialoge, zwölf Vereine an acht Orten und in der „zweiten Runde“ noch acht Vereine an sieben Orten an den Vereinsdialogen beteiligt waren.

Wer dagegen Abgeordnete (egal, ob des Gemeinderats, des Kreis-, Land- oder Bundestags, oder auch des Europaparlaments) als AnsprechpartnerInnen betrachtet, die die eigenen Anliegen unterstützen oder über ihre Kontakte zum Erreichen der gesetzten Ziele beitragen können, der oder die wird in Abgeordneten gute PartnerInnen für Verein und Region finden.
Die Vereinsdialoge haben gezeigt, dass sich der Kontakt für Vereine und engagierte BürgerInnen lohnt und dass sich am Ende nicht bestätigt, was vielerorts zu hören ist: „Jaja, reden können die alle viel, aber nützen tut uns das nüscht“.